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Immer am Ball mit Ecclesia med

Wir haben hier für Sie eine Auswahl von Beiträgen zu aktuellen Themen rund um das ambulante Gesundheitswesen zusammengestellt. Hier finden Sie beispielsweise wichtige Infos zu Haftungs- und Versicherungsfragen, bekommen Tipps rund ums Risikomanagement, erfahren Wissenswertes zur aktuellen Rechtslage u. v. m.

 

 

Bauchschmerzen – Achtung bei der Befunderhebung!

Sie verpflichten Mediziner zu einer eindeutigen und genauen Empfehlung an den Patienten. Yasmin Berkemeier, Juristin aus der Schadenregulierung der Ecclesia Gruppe Assekuranz-Service GmbH (EGAS), einer Gesellschaft unserer Unternehmensgruppe, berichtet.

 

Der Fall

Im vorliegenden Streitfall hatte ein niedergelassener Arzt einem Patienten mit Bauchschmerzen geraten, sich bei anhaltenden Beschwerden oder einer Verschlechterung sofort im Krankenhaus vorzustellen. Eine weitergehende Diagnostik (Blutwerte beziehungsweise eine Ultraschalluntersuchung) war dem Arzt selbst nicht möglich. Zwei Tage später erlitt der Patient aufgrund einer fortschreitenden Blinddarmentzündung (Appendizitis) eine Darmperforation und eine Bauchfellentzündung (Peritonitis). Die führten in der Folge zu einer Revisionsoperation und anhaltenden Verdauungsbeschwerden. Das Oberlandesgericht Köln (OLG) bewertete den Rat des Arztes als Befunderhebungsfehler. Im Zentrum stand dabei der Vorwurf an den Mediziner, notwendige Befunderhebungen unterlassen zu haben. So hätte der Arzt den Patienten zur Durchführung der Untersuchungen in ein Krankenhaus überweisen müssen. Mit seinem Rat, sich – lediglich – bei Persistenz oder Verschlechterung der Beschwerden im Krankenhaus vorzustellen, sei er seiner nach fachärztlichem Standard obliegenden Verpflichtung nicht nachgekommen.

 

Ein Rat mit Folgen

Nach Auffassung des OLG wäre im vorliegenden Fall die unbedingte Empfehlung, ein Krankenhaus für die weitere Diagnostik aufzusuchen, unerlässlich gewesen. Der Arzt hingegen habe die Entscheidung dem Patienten überlassen, ob im Verlauf von einer Persistenz oder Verschlimmerung der Beschwerden auszugehen und folglich ein Krankenhausbesuch angezeigt sei oder nicht. Auch habe der behandelnde Arzt nicht erläutert, unter welchen Voraussetzungen und in welchem Zeitraum von anhaltenden Beschwerden auszugehen sei. Das sei vor allem relevant, weil eine – hier schon von Anfang an in Betracht kommende – Blinddarmentzündung durch einen wellenförmigen Verlauf und eine gering ausgeprägte Schmerzsymptomatik bei beginnender Perforation gekennzeichnet sei.

Weil es hinreichend wahrscheinlich gewesen sei, dass hier ein Befund vorlag, der den Arzt zu einer Reaktion hätte veranlassen müssen, lag für das Gericht hier eine fundamentale Verkennung des Befundes vor. Es sah daher einen Behandlungsfehler als erwiesen an. Daraus ergab sich für die Richter eine Beweislastumkehr, die für den Mediziner negative Konsequenzen hatte. Das Gericht ging davon aus, dass der Rat des Arztes die schwerwiegenden Folgen der verzögerten Behandlung des Patienten verursacht habe und verurteilte ihn daher zur Zahlung von Schmerzensgeld und Schadenersatz.

 

Fazit

Betrachtet man den Einfluss der Compliance eines Patienten – also seiner Bereitschaft zur Mitwirkung – ist die Entscheidung kritisch zu bewerten. Das OLG sah es nicht als ausreichend an, dass der Mediziner nur den oben genannten Rat ausgesprochen hatte. Fraglich bleibt, ob das Gericht zu einer anderen Entscheidung gekommen wäre, wenn der behandelnde Arzt seinen Rat hinreichend konkret formuliert hätte. Denn schließlich obliegt es dem Patienten auch in einem solchen Fall, dem Rat des Arztes Folge zu leisten – oder eben nicht. Es könnte somit lediglich eine Haftung des behandelnden Arztes, nicht aber ein schwerwiegender Krankheitsverlauf ausgeschlossen werden.

Überdies könnte die Entscheidung des OLG Ärzte dazu motivieren, den Patienten eine übereilte beziehungsweise unnötige Vorstellung im Krankenhaus zu empfehlen. Dies würde insbesondere am Wochenende zu einem noch größeren Ansturm in den Notaufnahmen führen, als dies ohnehin der Fall ist.

Sollte ein Arzt eine weitere Diagnostik im Rahmen einer Behandlung als wahrscheinlich ansehen und diese nicht selbstständig durchführen können, ist zu empfehlen, dem Patienten den eindeutigen Rat zu erteilen, sich unverzüglich in einem Krankenhaus zwecks weiterer Diagnostik vorzustellen und dies selbstverständlich entsprechend zu dokumentieren.

 

Yasmin Berkemeier

yasmin.berkemeier@egas.de

 

Az.: 5 U 86/17 Oberlandesgericht Köln


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